Dienstag, 21. August 2007

Pferdekrankheiten: Kreuzverschlag


Der Kreuzverschlag (Medizinisch: paralytische Myoglobinurie oder Lumbago)

Der Kreuzverschlag, auch Verschlag, Nierenverschlag, schwarze Harnwinde oder Feiertagskrankheit genannt, ist eine bei Pferden auftretende Krankheit, die sofort tierärztlich behandelt werden muss. Es handelt sich um eine Stoffwechselstörung - übersteigerte Milchsäurebildung bei schlechter Durchblutung. Eine Art "Muskelkater" der gefährlichsten Form, verbunden mit starken Schmerzen. Sie äußert sich in einer teilweisen Lähmung der Rücken- und Kruppenmuskulatur. "Feiertagskrankheit" wird diese Krankheit auch genannt, weil sie häufig nach Stehtagen auftritt.

Anzeichen / Symptome

Die Symptome treten meist recht plötzlich zu Beginn größerer körperlicher Belastungen des Pferdes auf. Die Muskulatur im Rücken- und Kruppenbereich verhärtet sich plötzlich, Lähmungserscheinungen der Hinterhand treten auf. Das Pferd beginnt stark zu schwitzen und mag sich nicht mehr bewegen. Kommt es zum Absetzen von Harn, so ist dieser dunkel gefärbt. (Daher auch die Bezeichnung "Schwarze Harnwinde"). Eventuell versucht es auch sich hinzulegen, was aber vermieden werden sollte. Der Herzschlag ist beschleunigt, auch Fieber auftreten.


Ursachen

Eine Akute Stoffwechselstörung (Sauerstoffdefizit) ist der Grund für das Auftreten des Kreuzverschlags. Ist in der Muskulatur zuviel Glykogen (Milchsäure) gespeichert, kann nicht ausreichend Sauerstoff bereit gestellt werden, um die bei Beanspruchung der Muskeln entstehenden Abbauprodukte wie Laktat zu entsorgen. In der Folge übersäuern die Muskeln und versagen, Muskelzellen können zerstört werden. Myoglobin, für die Speicherung von Sauerstoff in der Muskulatur zuständig, geht in den Blutkreislauf über und wird über die Niere ausgeschieden - dies erklärt die dunkle Färbung des Urins beim Kreuzverschlag.
Nimmt das Pferd zu viele Kohlenhydrate über die Nahrung auf, werden diese werden in Glukose umgewandelt, die dann als Glykogen in den Muskeln gespeichert wird. Daraus beziehen die Muskeln ihre Energie. Wird jedoch mehr Glykogen gespeichert, als die Muskulatur gerade verbrauchen kann, kommt es zu der beschriebenen Stoffwechelstörung. Verstärkt tritt Kreuzverschlag bei Pferden nach Stehtagen auf, wenn die Futterration nicht reduziert wird. Oft auch bei Pferden, die unregelmäßig bewegt werden, jedoch durchgängig die gleiche Futterration erhalten. Allerdings können auch regelmäßig trainierte Sportpferde, bzw. Pferde mit stark ausgeprägter Muskulatur betroffen sein. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, können auch Pferde, die im Laufstall oder Offenstall gehalten werden einen Kreuzverschlag erleiden. Zwar sind diese Pferde meist weniger anfällig für die Krankheit, "immun" sind sie dagegen jedoch nicht.

Behandlung / Verhalten im Krankheitsfall

Es muss auf jeden Fall sofort ein Tierarzt hinzugezogen werden! Das Pferd darf auf keinesfalls weiter bewegt werden, die Rückenmuskulatur ist mit Wärmepackungen & Decken warm zu halten. Es sollte möglichst vermieden werden, dass sich das Pferd hinlegt. Treten die Symptome bei einem Ausrittauf, sollte das Pferd möglichst mit einem Anhänger abgeholt werden, weil jede weitere Beanspruchung der Muskulatur zu einer Verschlechterung des Zustands führt.

Vorbeugung:
Regelmäßiges und langsam aufgebautes Training, ausreichend lange Aufwärmphase zu Beginn des Trainings, (ideal sind 20 Min. Schritt), sowie auch langsames ausklingen lassen der Trainingseinheit. "Trockenreiten" ist nicht nur erforderlich wenn das Pferd geschwitzt hat - eine längere entspannte Schrittphase sollte am Ende jeder Trainingseinheit stehen! Ein fataler Fehler ist der Gedanke: "Mein Pferd hat heute so viel getan, dafür hat es morgen frei". Gerade nach starker Beanspruchung ist am nächsten Tag leichte Bewegung (z.Bsp. an der Longe) wichtig, um Muskelkater & Kreuzverschlag vorzubeugen. Äußerst wichtig in diesem Zusammenhang sind auch dem Training angepasste Futterrationen - wird das Trainingspensum stark herunter geschraubt, sollte unbedingt auch das Kraftfutter reduziert werden. Das ist relativ leicht, wenn man selbst füttert, oder in einem kleineren Stall steht, in dem der/die Futtermeister/in einen Überblick über das Training der Pferde hat. In größeren Reitställen bekommen die Pferde jedoch meist täglich die gleiche Ration, weil es kaum möglich ist den Überblick über die jeweilige Bewegung des einzelnen Pferdes zu halten.

  • Mein Tipp: Ein einfaches Punktesystem einführen. Die meisten Reitstallbetreiber werden diesen Vorschlag dankbar annehmen, weil es auch für sie eine Arbeitserleichterung darstellt. Einfach aus Pappe oder Plastik bunte Punkte ausschneiden, die mit z.Bsp. selbstklebendem Klettband an der Box besfestigt werden können. Als Beispiel: Grün = normale Futteration, gelb = reduzierte Kraftfutterration, rot = kein Kraftfutter. So weiß der / die Pfleger / in bzw. Futtermeister / in auf einen Blick bescheid, und kann die Futterration entsprechend anpassen.