Donnerstag, 13. November 2014

Pferdehaltung - Gegen Langeweile im Stall

Bei der Pferdehaltung gilt es einen Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Pferdes und seines Halters zu finden. Dabei sollte es oberstes Gebot sein, dass die Bedürfnisse des Pferdes erfüllt werden.

Langfristig gesehen, dient das nicht nur dem Pferd, sondern auch dem Halter. Denn artgerecht gehaltene Pferde sind in der Regel weniger anfällig für Krankheiten, sind ausgeglichener und haben mehr Freude an der Arbeit & am Leben. Und - mal ehrlich - macht es nicht auch den Halter glücklich, wenn das Pferd zufrieden ist?

Nach und nach möchten wir uns hier mit den verschiedenen Formen der Pferdehaltung beschäftigen, und fangen heute mit der Form an, die (noch) am weitesten verbreitet ist.  

Boxenhaltung

Die meisten Reitpferde werden heutzutage in Boxenhaltung gehalten. Dabei sind sie in einem Stall untergebracht, in dem sie eine Box von mindestens 3 mal 3 Meter für sich haben. Dieser Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Pferdes und des Halters, orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen des Halters: Das Pferd steht jederzeit schnell zur Verfügung und ist verhältnismäßig leicht sauber zu halten. Die Boxen sind meist durch Gitter voneinander getrennt, was eine Kontaktaufnahme der Pferde untereinander verhindern, und Verletzungen vorbeugen soll. Diese Rechnung geht jedoch nicht immer auf: Oft neigen Pferde, die so gehalten und nicht ausreichend bewegt werden zu regelrechten 'Käfigneurosen'. Nicht selten werden die Pferde aggressiv, und verletzen sich selbst, indem sie gegen die Boxenwände treten.

So hat sich inzwischen gezeigt, dass die Pferde oft ausgeglichener sind, wenn man die Gitter wegläßt und Trennwände so anlegt, dass eine Kontaktaufnahme möglich wird. Natürlich muss dabei darauf geachtet werden, dass die Pferde die nebeneinander stehen, sich auch vertragen. Immer beliebter werden auch Paddockboxen, bei denen der Stallbox ein kleiner Au?enauslauf angeschlossen ist. Auf diese Weise hat das Pferd die Möglichkeit sich wenigstens etwas mehr zu bewegen als in einer einfachen Box, und selbst zu entscheiden, ob es lieber drinnen oder draußen stehen möchte. Positive Nebeneffekte einer Paddockbox sind, dass das Pferd mehr frische Luft, und draußen etwas zu sehen bekommt. Eine ausreichende Bewegung & Beschäftigung kann die Paddockbox allein dem Pferd jedoch nicht bieten.

Zu jedem guten Reitstall gehören heute Weiden auf denen die Pferde sich in der Weidezeit - etwa Mitte April bis Mitte Oktober - stundenweise frei bewegen und grasen können. Für die restliche Zeit des Jahres sollten ausreichend große Paddocks zur Verfügung stehen, um den Pferden auch im Winter freie Bewegung & Kontakt zu Artgenossen zu ermöglichen. Im Idealfall hat ein guter Reitstall so viel Weidefläche zur Verfügung, dass ganzjährig (zumindest stundenweise) Weidegang möglich ist. Denn auch den schönsten Stall sieht das Pferd vermutlich am liebsten von der Weide aus. ;-)
So fühlen sich Pferde wohl - mit Artgenossen auf der Weide
Wenn der Halter die Boxenhaltung als Haltungsform für sein Pferd auswählt sollte er sich darüber im Klaren sein, dass er dem Pferd täglich zusätzliche Beschäftigung und Bewegung bieten muss. Ein pferdegerechtes Training sollte möglichst abwechslungreich sein, und sich nicht nur nach den Bedürfnissen des Reiters richten. Das tägliche 'herunterrasseln' immer gleicher Lektionen wird weder Pferd noch Reiter auf Dauer Freude bereiten. Bodenarbeit, Cavalettiarbeit, Ausritte oder Spaziergänge, Longenarbeit usw. bringen Abwechslung ins Training und steigern die Motivation. Wer sich ein mitarbeitendes Pferd wünscht, der darf es nicht langweilen. Einem Dressurreiter fällt ebensowenig 'ein Zacken aus der Krone' wenn er mit seinem Pferd eine kleine Gymnastikreihe springt oder Bodenarbeit macht, wie einem Springreiter, wenn er Dressur reitet, oder einen kleine Trailpacours bewältigt. Da darf ruhig auch mal bunt gemischt werden. Warum sich nicht mal für andere Sparten des Pferdesports öffnen und interessieren? Ein Westernreiter kann von einem Englischreiter sicherlich genau so viel lernen wie umgekehrt - sofern man offen und vorurteilsfrei an die Sache herangeht.

Damit keine Langeweile aufkommt, muss außerdem auf ausreichende Gabe von Rauhfutter geachtet werden. Mit kleinen Tricks läßt sich die Dauer der Beschäftigung erhöhen: Wird z.Bsp. das Heu in einem engmaschigen Heunetz gereicht, ist das Pferd deutlich länger damit beschäftigt. Manche Pferde beschäftigen sich zwischendurch auch gerne mit speziellen Spielbällen o.ä. Auch Zweige zum Benagen können zwischendurch gereicht werdenum Abwechslung in den Pferdealltag zu bringen. In Winter bieten sich dafür Kiefern-, Tannenzweige, oder auch Brombeerranken an. (Wichtig: Nicht zu viel des Guten! Brombeerzweige möglichst nicht zu dicht über dem Boden abschneiden! Hier droht Gefahr Larven des Fuchsbandwurms zu übertragen. Ranken ab 1 m Höhe dürften ungefährlich sein.) 

Vorurteile wirken sich auch im Pferdesport immer negativ aus. So sind zum Beispiel, (ebenfalls begründet durch Vorurteile), Führanlagen bei vielenFreizeitreitern verpönt. Sicher - die schönere Alternative ist ohne Zweifel ein Ausritt oder ein Spaziergang am Strick mit dem Pferd - gar keine Frage. Wenn dies aber aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, (Verletzung des Reiters o.ä.), ist die Bewegung in der Führanlage immer noch besser, als das Pferd in der Box stehen zu lassen. Die Führmaschine sollte nicht missbraucht werden, um die Bewegung durch den Menschen zu ersetzen, sie sollte eher als sinnvolle, zusätzliche Ergänzung gesehen werden. Hat man aus irgendwelchen Gründen mal keine andere Möglichkeit das Pferd zu bewegen, ist die Führanlage immer noch besser als keine Bewegung. Das Pferd jedoch stundenlang in der Anlage seine Runden drehen zu lassen damit der Reiter Zeit findet an der Theke des Reiterstübchens schlaue Sprüche zu klopfen, ist jedoch sicher nicht im Sinne des Erfinders, und schon gar nicht im Sinne des Pferdes.