Montag, 20. August 2007

Rubrik Lesergeschichten: Goodbye my friend...


Ein Bericht von Christina Wanders

Lorion hat mich geprägt. Er war meine Seele, meine Augen. Er war mein Lehrer...

Vor gut 7 Jahren durfte ich Lorion kennen lernen. Damals gerade 4-jährig, hatte er noch allen möglichen Blödsinn im Kopf. Aber was soll´s? Er war jung und unerfahren, genau wie ich.

Ich wollte wieder reiten. Aber nicht in diesem zwangvollen Reitschulen-Stil. Nein, es musste was Besonderes sein. Durch eine Arbeitskollegin kam ich an Jeannette und ihre neun Pferde. Keine Reitschule, keine Mitgliedschaft, kein Sattel. Kein Sattel??? Und wie reitet man dann?

Schnell wurden mir die Grundzüge des "Ohne-Sattel-Reitens" beigebracht. Und dann beschloss Jeannette, dass ich mit in den Ausritt darf.

So fing meine Beziehung zu Lorion an. Dieses süße Fjordie war das einzige Pferd im "Stall", dass man durchpariert kriegte, wenn man nicht mehr konnte.

Der Ausritt war wunderschön. An durchparieren war gar nicht zu denken.

Was hab ich alles von Lorion gelernt... Wie man richtig sitzt, welche Hilfen zu geben sind wenn was funktionieren soll, springen. Und ich habe gelernt, ich selbst zu sein. War ich nicht so, wie ich eigentlich bin, landete ich wahlweise auf der Wiese, im Schnee oder auch in den Blättern im Wald.

Dann wurde Lorion krank. Er bekam Asthma, seine Lungen waren total verklebt, er konnte kaum noch ausatmen, nicht abhusten. Er hatte noch zwanzig Prozent Überlebenschancen. Aber diese zwanzig Prozent haben uns gereicht. Jeden Tag sind wir mit ihm gelaufen, damit sich der Schleim löst. Es war ein harter Kampf, aber mit viel Liebe und gutem Zureden und vor allem viel Bewegung, haben wir diesen ersten Kampf gewonnen.

Der zweite Kampf folgte ein paar Monate später. Wieder dieselbe Symptomatik, wieder dieselbe "Therapie".

Ein Teil der Lunge war zerstört, Loro würde nie wieder an Kleinpferdrennen teilnehmen können. Aber er könne wieder relativ normal arbeiten. Heisst also, seine wichtige Position als Reitlehrer, Freund und Seelentröster wieder einnehmen.

Es lief auch alles recht gut. Bis dann im Februar dieses Jahres die niederschmetternde Nachricht kam: Lorion kann nicht mehr richtig einatmen. Ein Pferd ist - krass ausgedrückt - auf der Erde, um zu fressen und zu laufen. Wie kann ein Pferd laufen, wenn die Lungenfunktion derart eingeschränkt ist?

Schweren Herzens haben wir uns entschieden, unseren Lehrer, Freund,Seelentröster... Unseren Lorion zu erlösen. In kleinem Kreis haben wir ihn gehen lassen. Er ist schnell eingeschlafen. Unser Kämpfer Lorion hatte aufgegeben...

Er hat uns nach Ausbrechen seiner Krankheit noch zwei wundervolle Jahre geschenkt.

Wir werden ihn nie vergessen. Lorion wird in unseren Herzen hier auf Erden bleiben. Und irgendwann, wenn unsere Zeit gekommen ist, werden wir ihn wiedersehen und er wird wieder unser Lehrer, Freund, Seelentröster... Unser Lorion sein!

Foto: Christina Wanders