Donnerstag, 27. September 2007

Hufrehe als Indiz für eine latente Primärerkrankung



Ein Leserbericht von Petra Schrader. Text & Fotos: Petra Schrader www.hufrehe.org/info

Hufrehe als Indiz für eine latente Primärerkrankung

Jeder hat schon einmal von dieser schweren und heimtückischen Erkrankung gehört. Ist jedoch nicht das eigene Pferd betroffen oder wird man das erste Mal mit der Diagnose "Hufrehe" konfrontiert, sind meist nur die typischen Auslöser wie Futter-, Belastungs-, Geburts- und Medikamentenrehe bekannt. Besonders bei der Futterrehe kursieren oftmals veraltete Theorien. Um aktuelle Forschungsergebnisse und Informationen bezüglich dieser Erkrankung zu sammeln, haben sich Betroffene zusammengetan und das Internetforum www.hufrehe.org/info gegründet.

Viele Hufreheerkrankungen werden nicht oder nicht ausschließlich durch die bekannten Auslöser hervorgerufen. Vielmehr kann eine Hufrehe auch Symptom und Folgeerscheinung tiefer liegender Krankheitsbilder sein. Es handelt sich dabei um Erkrankungen, die durch bestimmte (Stoffwechsel-)Vorgänge im Körper eine Hufrehe auslösen können, ohne dass dabei die Fütterung eine Rolle spielt. Besonders bei unerklärlichen Hufreheschüben oder bei Tieren, bei denen keine gängige Therapie anschlägt, sollte man nach grundlegenden Erkrankungen forschen.

Immer wiederkehrende, scheinbar grundlose Hufreheschübe lassen Pferdebesitzer oft verzweifeln. Keine Therapie schlägt an und der gesundheitliche Zustand des Tieres verschlechtert sich von Tag zu Tag.
Bestimmte äußerliche Merkmale des Patienten, die oft zunächst nicht wahrgenommen werden, weil sie schleichend auftreten, oder auf andere Ursachen geschoben werden, können ein Indiz für eine solche Krankheit sein.

In diesem Artikel erhält der interessierte Leser einige grundsätzliche Informationen über häufig unerkannte Primärerkrankungen wie Borreliose, Equines Cushing Syndrom und Equines Metabolisches Syndrom, welche eine Hufrehe auslösen können.
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Borreliose beim Pferd erkennen

Eine Diagnose der Borreliose beim Pferd gestaltet sich oftmals schwierig. Meist wird diese Krankheit erst im chronischen Stadium erkannt, da man beim Pferd die typische kreisförmige Rötung der Bissstelle aufgrund der Behaarung nicht feststellen kann. Auch hält sich hartnäckig die Meinung: „Borreliose beim Pferd gibt es nicht.“ Zusätzlich kommen die verschiedenen Erscheinungs-bilder der Borrelioseinfektion zum Tragen.

10-jährige Welsh-Stute mit Hufrehe und Borreliose

Die Stute hatte alle 3 Monate einen neuen Borreliose-Schub, der sich durch Schmerzen im ganzen Körper bemerkbar machte. Die Kruppe ist bretthart, die Beine steif. Die Schübe machen sich 2 Tage vorher duch Kopfscheuheit bemerkbar. Leider hat die Stute den Kampf nach fast 3 Jahren verloren.

Auslöser der Lyme-Borreliose sind Zecken, die sich mit diesem Virus infiziert haben. Als mögliche Symptome können auftreten: Muskelverspannungen, wechselnde Lahmheiten, Hautveränderungen, Augenerkrankungen, Abmagerung, kolikartige Erscheinungen, Infektanfälligkeit, Entzündungsanfälligkeit der Haut, Allergiebereitschaft, Headshaking, Ataxien, Huflederhautentzündungen / Hufrehe, Verhaltensänderungen und Organerkrankungen.

Bei einem Verdacht auf diese Erkrankung kann eine Infektion mit Borrelia burgdorferi über einen Antikörpertiter-Test IFT (IgG) im Blutserum diagnostiziert werden. Ein positiver AK-Titer beweist den Kontakt mit dem Erreger. In dem Fall sind weitere Tests angeraten wie z.B. der Western-Blot.
Häufige Behandlungs- methoden: hochdosiertes Antibiotika, z.b. Cobactan 4,5% und Zylexis oder Cats Claw. Die Behandlungszeit sollte mindestens bis zu sechs Wochen andauern.

Angel of Mind, geb. 16.06.1993, Rasse Vollblutaraber (Crabbet-Park Linie, Farbe: Schimmel (mit "Rotstich" ), Gewicht Anfang 2005 ca. 480 kg


Equines Cushing Syndrom

Um auszuschließen, dass das Pferd am Equinen Cushing Syndrom leidet, ist zudem ein Cushingtest (Dexametasontest, ACTH) sinnvoll. Das Equine Cushing Syndrom entsteht durch ein Adenom an einem Vorlappen der Hirnanhangdrüse, der die Nebennierenrinde reguliert,in der das Cortisol produziert wird. Der Cortisolgehalt ist durch diesen Defekt insgesamt zu hoch und beeinflusst zahlreiche Stoffwechselfunktionen wie das Herz-Kreislaufsystem,das Immunsystem,den Proteinstoffwechsel und den Blutzuckerspiegel.
Cushingpferde haben oft (aber nicht immer!) ein dickes langes Winterfell, das auch lockig sein kann und auch im Sommer nicht vollständig ausfällt. Das Fell wirkt oft struppig und kann auch durch Parasiten befallen werden, was das räudeartige Erscheinungsbild verstärkt. Wunden heilen schlecht und es können wunde Stellen auf der Mundschleimhaut auftreten. Erkrankte Pferde zeigen häufig vermehrten Durst, magern trotz reichlichem Futterangebot ab und verlieren Muskeln vor allem im Rückenbereich.

Trotzdem können sich Fettpolster am Mähnenkamm und am Bauch bilden.Diese massiven Stoffwechselent- gleisungen führen zudem zu Futterverweigerungen oder schwerwiegenden Kreislaufproblemen, Durchfällen, Lethargie, vor allem abendliches Schwitzen ohne Grund und Kreuzverschlagähnlichen Symptomen. Verschiedene Lahmheiten entstehen durch Hufabzesse, Huflederhautentzündungen, Sehnentzündungen, Osteoporose und letztendlich durch schwere Hufreheschübe.

Das Equine Cushing Syndrom ist eine schwere und unheilbare Erkrankung, die jedoch durch die Gabe des Medikaments Pergolid, das langsam eingeschlichen werden sollte, die Symptome oft verschwinden lässt und dem Pferd ein beschwerdefreies Leben ermöglicht. Ohne Behandlung steht einem Cushingpferd ein qualvolles Siechtum bevor.

Ponystute Samira, geboren ca. 1978, 1,28 m groß, vor der Behandlung

Ponystute Samira mit Pergolid-Behandlung

Mitglieder des Forums deren Pferde an Hufrehe, Borreliose, Equinen Cushing oder am Metabolischen Syndrom erkrankt sind,stehen jederzeit zum Erfahrungsaustausch zur Verfügung und tragen weiterhin die neusten Forschungsergebnisse zusammen.

So konnten z.B. Mitglieder beobachten, dass einige Cushing Patienten das Futter verweigern, wenn unmittelbar vor der Fütterung das Medikament verabreicht wurde. Daher empfehlen wir an dieser Stelle, dass die Medikamentengabe nicht unmittelbar vor der Fütterung erfolgen sollte. Viele weitere wichtige Tipps erhalten interessierte Pferdebesitzer auf unserer Seite.

Ferner gibt es Informationen zu diversen biologischen Unterstützungsmöglichkeiten, deren Anwendung inkl. Bezugsquellen. Seit einiger Zeit ist sogar eine kostenlose telefonische Hufrehe-Notfall-Hotline Tel 04365/97930 eingerichtet, um verzweifelten Pferde-Besitzernnach der niederschmetternden Diagnose Hufrehe die wichtigsten Fragen schnell und auserfahrenem Munde beantworten zu können.

Die Aussagen beruhen auf dem Wissen und Kenntnisstand der Autorin Petra Schrader. Wir danken ganz herzlich für diesen interessanten Bericht.