Samstag, 17. Mai 2008

Insektenschutz für Pferde: Was hilft gegen Fliegen, Bremsen & Mücken? Was ist mit Vorsicht zu verwenden?


Bremsen, Fliegen, Mücken & Co - was hilft Pferden wirklich gegen die lästigen Plagegeister und mit welchem Fliegenschutz muss man vorsichtig sein?

Kaum scheint die Sonne, sind auch die Plagegeister wie Bremsen, Mücken und Fliegen da, um unseren Pferden das Leben schwer zu machen. Der Fachhandel bietet eine Vielzahl von Mückenschutz-, Fliegenschutz- und Bremsenschutzmittel: Lotionen, Sprays, Sticks & Roll-ons, Futterzusätze usw. Leider versprechen die angebotenen "Wundermittel" aber oft mehr als sie halten können - spätestens, wenn das Pferd ein wenig zu schwitzen beginnt, ist die Wirkung meist dahin.

Leider lässt nicht nur die Insekten abschreckende Wirkung oft zu Wünschen übrig, manchmal kann es auch - besonders bei empfindlichen Pferden - zu heftigen Hautreizungen kommen. So weiß ich von einem Beispiel, das ich selbst miterlebt habe: Ein Pferd, das bis dahin nicht als besonders Hautempfindlich galt, wurde von seinem Besitzer vor dem Weidegang mit einem Insektenschutzmittel für Pferde eingesprüht und danach auf die Weide gebracht. Nach ca. 2 Stunden auf der Wiese, sattelte der Besitzer sein Pferd, um noch einen kleinen Ausritt zu machen. Die Reste des Insektenschutzmittels, die sich noch im Fell der Sattellage befanden, reizten in Verbindung mit der Wärme und Reibung des Sattels die Haut des Pferdes so stark, dass die Haut des Pferdes regelrecht verätzt wurde.

Schon ca. 30 Minuten nach Abritt, verhielt sich das Pferd plötzlich aus zunächst unerklärlichen Gründen auffällig nervös und unruhig. Der Pferdebesitzer brach den Ausritt daraufhin ab, und wunderte sich noch darüber, dass sein Pferd auch beim Absatteln plötzlich sehr “zickig” reagierte. Als er wenig später noch einmal nach seinem Pferd sah, bemerkte er Quaddeln und aufgestelltes Fell in der Sattellage. Das Pferd schien sehr schmerzempfindlich und wollte sich kaum noch an der Sattellage berühren lassen. Wenige Stunden später lösten sich ganze Hautfetzen mit Fell - das rohe Fleisch kam zum Vorschein. Sattel und Satteldecke waren völlig in Ordnung, auch hatte der Pferdebesitzer rechtzeitig nachgegurtet und sein Pferd vor dem Satteln gründlich geputzt. Die Verätzungen wurden also offenbar tatsächlich von dem Insektenschutzmittel in Kombination mit der Reibung des Sattels hervor gerufen. Die Firma, von der das damals noch neue Insektenschutzmittel stammte, reagierte wenig beeindruckt: "Empfindliche Reaktionen könne man eben nie ausschließen", hieß es dort lapidar.

Wir raten daher dringend, auf das Einsprühen der Sattellage zu verzichten! Auch an den Beinen sollte lieber auf das Einsprühen verzichten, wenn danach noch Gamaschen oder Bandagen angezogen werden. Eine besonders empfindliche Haut haben oft Schimmel, helle Füchse / Cremellos etc. Aber auch bei Braunen oder Rappen kann man solche Hautreaktionen nicht ausschließen. Das Pferd, das die schweren Verätzungen in der Sattellage hatte, reagierte noch mehrere Jahre empfindlich beim Satteln. Die Verätzungen waren zwar nach ca. 3 Monaten wieder vollständig ausgeheilt und schmerzfrei, doch im Kopf des Pferdes blieb die schmerzhafte Erfahrung noch sehr lange haften, was sich in Nervosität und deutlich gezeigtem Unmut beim Satteln, oder auch nur beim Auflegen einer Satteldecke äußerte.

Vorsicht auch bei Knoblauch gegen Bremsen, Fliegen & Mücken!

Angesichts solche Dinge, die leider vorkommen können, möchten viele Pferdebesitzer lieber auf Chemie verzichten und auf natürliche Mittel zu Insektenabwehr zurückgreifen. Der Wunsch ist verständlich, doch auch hier ist Vorsicht geboten! Einige Pferdebesitzer schwören auf Knoblauch, um Bremsen, Fliegen und Mücken zu vertreiben. Leider lassen sich Pferdebremsen und andere Plagegeister meiner Meinung nach wenig bis gar nicht vom Knoblauchgeruch beeindrucken. Die Folge: Pferdebesitzer erhöhen die Dosis in der Hoffnung “viel hilft viel”. Auch hiervor müssen wir warnen: In zu hoher Dosis über einen längeren Zeitraum gefüttert ist Knoblauch giftig für Pferde und andere Tiere! Eine Überdosierung über längeren Zeitraum kann zu einer lebensbedrohlichen Anämie (Blutarmut) führen.

Auf der Website des Instituts für Veterenärpharmakologie und Veterenärtoxikologie wird die toxische Dosis (giftige Dosis) bei täglicher Fütterung mit > 0,2g/kg Körpergewicht des getrockneten Knoblauchs angegeben, was 2g/kg Körpergewicht des frischen Knoblauchs entspricht. Als maximale mittlere Tagesdosis von frischem Knoblauch oder Äquivalent wird dort empfohlen: Katzen und Hunde: 4 g/Tier, Grosse Wiederkäuer: 20-30 g/Tier, Pferde: 20 g/Tier. (Ausführliche Infos zur Knoblauchfütterung beim Hund hier.)

Aber was hilft denn nun gegen Bremsen, Fliegen und Mücken?

An dieser Stelle würde ich gerne ein Wundermittel präsentieren, das wirklich zuverlässig und ohne jegliche Gefahren & Nebenwirkungen schützt, doch das habe ich bisher leider nicht gefunden. Ob Hausmittelchen oder gekaufte Produkte - groß zusammengefasst kann man wohl sagen: 1-2 Stunden vermögen die meisten Mittel zumindest einen Großteil der Plagegeister fern zu halten. Spätestens aber, wenn das Pferd zu schwitzen beginnt, ist die Wirkung weitgehend dahin. Einen wirklichen Schutz bieten nur Fliegendecken und Fliegennetze. Hierbei sollte man aber beachten, dass Pferde die mehrstündigen oder ganztägigen Weidegang genießen dürfen keine Scheuerstellen von den Decken bekommen, bzw. dass die Decken nicht verrutschen und zur Verletzungsgefahr werden.

Gerade an den Augen werden Pferde oft von vielen Fliegen belagert und sehr häufig verursachen bzw. übertragen die Fliegen eine Bindehautentzündung. Hier haben sich neben den Fliegennetzen auch Fransenstirnbänder bewährt, die einfach am Halfter angebracht werden. Durch die ständige leichte Bewegung der Fransen, werden die Fliegen davon abgehalten sich an den Augen fest zu setzen und die Tränenflüssigkeit der Pferde aufzusaugen. Somit wird die Gefahr der Augenreizungen und Bindehautentzündungen stark vermindert.

Ob die neuartige Bremsenfalle, die jetzt auch in Deutschland erhältlich ist, sich durchsetzen wird bleibt abzuwarten.

Foto: (c) M. Großmann / Pixelio.de