Montag, 30. Juni 2014

Das Sommerekzem, nicht zu verwechseln mit der Sommerräude!

Das Sommerekzem ist ein durch Mücken ausgelöstes, allergisch bedingtes Ekzem. Oft wird das Sommerekzem mit der Sommerräude verwechselt, weil sich die Symtome stark ähneln. Die Sommerräude hat jedoch andere Ursachen als das Sommerekzem und muss dementsprechend auch anders behandelt werden. Weil sich die Sypmtome stark ähneln und vom Laien oft kaum zu unterscheiden sind, sollte auf jeden Fall ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, der mittels Entnahme von Hautproben genau feststellen kann, um welche Hauterkrankung es sich handelt und dementsprechend die richtige Behandlung vorgeben kann. Auf die Sommerräude (und die "echte Räude") kommen wir später noch einmal zu sprechen, heute geht es hier um das Sommerekzem.

Das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion, ausgelöst durch Stiche bestimmter Mückenarten. Genauer gesagt ist das Sommerekzem eine Überempfindlichkeit auf bestimmte, im Speichel der Stechmücken enthaltenen Stoffe. Meist sind die nur 1-4mm kleinen Kriebelmücken (Gnitzen) die Auslöser des Sommerekzems. Die winzigen Mücken stechen bevorzugt an der Schweifrübe, auf der Kruppe, am Mähnenkamm, und an der Bauchnaht zu. An diesen Stellen fällt ihnen der Einstich leicht, da sie Haare des Pferdes hier senkrecht stehen. Um Blut saugen zu können, sondern sie dabei Speichel ab, der die Blutgerinnung verhindert. Bestimmte Inhaltsstoffe im Speichel der Mücken können dann die allergische Reaktion und starken Juckreiz auslösen. Da die unangenehmen Kriebelmücken (Gnitzen) auch in der Dämmerung und Nacht aktiv sind, kann man die Pferde leider nicht vor den Plagegeistern schützen, indem man sie nachts auf die Weide schickt. Die für das Sommerekzem verantwortlichen Mücken sind besonders stechfreudig bei feuchter Wärme und kurz nach dem Sonnenuntergang.

Pferde mit Sommerekzem reagieren dann auf den starken Juckreiz, indem sie sich scheuern, was wiederum zu Haarbruch, kahlen Stellen und weiteren Hautproblemen führt. Die Haut zeigt ein Bläschen-Ekzem (Papulöses Ekzem), das schließlich verklebt und Krusten bildet. (Krustöses Ekzem) Darüber hinaus entstehen durch das Scheuern Verletzungen, in die Schmutz und Bakterien eindringen, was wiederum zu weiteren Hautentzündungen führt. Im fortgeschrittenen Stadium bildet die Haut am Mähnenkamm wulstige Falten, die Haut beginnt zu nässen und bildet eitrige Entzündungen. Der Schweif wird dünn, es kommt zum so genannten „Rattenschwanz“. Grundsätzlich können Pferde aller Rassen am Sommerekzem erkranken. Genetische Faktoren können die Entstehung des Sommerekzems begünstigen, aber auch hormonelle Schwankungen und Ernährungsfehler können einen Einfluss auf das Sommerekzem haben.

Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten beim Sommerekzem

  • Da, wie anfangs schon erwähnt, eine Verwechslungsgefahr mit der Sommerräude besteht, sollte zunächst zur eindeutigen Diagnosestellung ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.
  • Auf jeden Fall sollte auch die Fütterung überprüft werden. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob Mängel oder Unausgewogenheiten vorliegen. Der Tierarzt kann dann entsprechend beraten, wie Mängel (oder auch Überschüsse) ausgeglichen und vermieden werden können. Eiweiß- und Energieüberfütterung müssen vermieden werden, eine ausgewogene Mineralienzufuhr ist wichtig.
  • Ekzemerdecken machen das Ekzem-Pferd für die Mücken nahezu unerreichbar, weil sie alle kritischen Bereiche abdecken. Auch wenn es unbequem aussieht - für Pferde mit stark ausgeprägtem Sommerekzem dürfte eine Ekzemerdecke das vergleichsweise geringere Übel sein, als der quälende Juckreiz und die schmerzenden Hautentzündungen.
  • Bei Pferden, die nur einen geringen Juckreiz zeigen und noch keine offenen Hautstellen haben, kann es schon ausreichend sein, die Pferde erst nach der Morgendämmerung auf die Weide zu bringen, sie rechtzeitig vor der Abenddämmerung wieder in den Stall zu bringen und zusätzlich mit einem Insektenschutzmittel zu schützen. Im Gegensatz zu den Bremsen, lassen sich Kriebelmücken durch gute Insektenschutzmittel (wie zum Beispiel Zedan) meist fernhalten. Doch Vorsicht: Insektenschutzmittel dürfen nur aufgetragen werden, wenn die Haut noch nicht geschädigt ist! Sie sind eher als vorbeugende Maßnahme zu verstehen. (Siehe hierzu auch: Insektenschtutz für Pferde - was hilft, wobei ist mit Vorsicht geboten?)
  • Auch spezielle Emulsionen und Sprays verschaffen manchen Pferden Linderung. Sie werden an den gefährdeten Körperstellen wie Mähne, Schweifrübe, Widerrist und Bauchnaht einmassiert bzw. aufgetragen.
  • Bei kühlerem Wetter, Wind & Regen ist der Weidegang, was die Kriebelmücken betrifft, eher gefahrlos.
  • Nach Möglichkeit sollten keine Gewässer in der Nähe der Pferdweide sein, Pferdeäpfel sollten täglich abgesammelt werden.
  • Sowohl die Schulmedizin, als auch die Homöopathie hält verschiedene Mittel gegen das Sommerekzem bereit. Was bei dem einen Pferd sofort anschlägt und die Symptome des Sommerekzems abklingen lässt, hilft dem anderen Pferd möglicherweise gar nicht. Daher lässt es sich manchmal leider nicht ganz vermeiden ein wenig mit verschiedenen Mitteln zu „experimentieren“. Allerdings sollte man solche Experimente nicht im Selbstversuch machen, sondern in Absprache mit dem Tierarzt. 
Ist das richtige Mittel gefunden, kann der Weidegang wieder Spaß machen.