Freitag, 26. September 2008

Infektiöse Anämie - tödliche Pferdeseuche in Haan ausgebrochen

Pferdehalter in Haan und Umgebung sind in großer Sorge um ihre Pferde, denn es gibt keine Heilung und auch keine Impfung gegen diese Pferdeseuche. Die infektiöse Anämie (ansteckende Blutarmut) ist eine Viruserkrankung, die nur Einhufer wie Pferde und Esel befällt.

Seit das Virus bei einem Pferd in einer Haaner Reitanlage nachgewiesen wurde, bangen Pferdehalter in Haan, Düsseldorf und Umgebung um ihre Vierbeiner, denn die Krankheit ist hochgradig ansteckend und kann von Insektenstichen übertragen werden. Ein Gegenmittel gegen die infektiöse Anämie oder einen Impfschutz gibt es bislang nicht. Die tückische Krankheit geht mit Fieberschüben einher und endet nach unterschiedlich langem Verlauf tödlich. Tiere, die an der ansteckenden Blutarmut erkrankt sind, scheiden das Virus mit allen Körpersekreten und -exkrementen aus. Die Übertragung der Krankheit erfolgt hauptsächlich durch blutsaugende Insekten, seltener durch direkten Kontakt zwischen den Pferden bzw. Eseln. Für Menschen besteht keinerlei Gefahr, denn die infektiöse Anämie - hierzulande übrigens eine äußerst seltene Erkrankung - befällt ausschließlich Einhufer. Wird die ansteckende Blutarmut bei einem Tier nachgewiesen, so muss das betroffene Tier getötet werden. So musste leider auch der erkrankte Wallach in Haan eingeschläfert werden.

Das Veterinäramt des Kreises Mettmann hat den Bestand gesperrt und wird in den nächsten Tagen mittels Blutproben auch alle weiteren dort gehaltenen Pferde untersuchen. Darüber hinaus ermittelt das Veteräramt, welche weiteren Pferde innerhalb der letzten 2 Monate mit der Reitanlage in Kontakt gekommen sind, in der das Virus auftrat, damit zur Sicherheit auch bei diesen Pferden entsprechende Blutuntersuchungen veranlasst werden können. Frühestens 21 Tage nach der ersten Untersuchung muss das Blut der Pferde ein weiteres Mal untersucht werden. Bis zum Vorliegen des zweiten Untersuchungsergebnisses darf kein Pferd das Sperrgebiet verlassen und keine neuen Pferde in das Sperrgebiet gebracht werden. Die infektiöse Anämie der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere mit unklarer Symptomatik sollten sofort dem Haustierarzt vorgestellt werden. Bei Verdacht auf diese Seuche muss das zuständige Veterinäramt unterrichtet werden.

Dass die Seuche überhaupt festgestellt wurde, war eher ein Zufall. Weil das Pferd Krank heitsanzeichen zeigte, wurde ein Tierarzt zu Rate gezogen, der eine Blutprobe nahm. So wurde das Virus entdeckt. Da bei dem Begriff "Seuche" schnell mal Missverständnisse aufkommen möchten wir an dieser Stelle vorbeugend klarstellen: die infektiöse Anämie der Einhufer ist keineswegs auf schlechte Pferdepflege oder mangelnde Stallhygiene zurückzuführen. Es kann wirklich jeden Pferdehalter bzw. jeden Reitstall betreffen. Gegen ein Virus, für das es keinen Impfschutz gibt und das schon durch einen Insektenstich übertragen werden kann, ist auch der gepflegteste Stall und der fürsorglichste Pferdebesitzer leider machtlos. Denn ein Pferd wirklich wirksam vor Insekten zu schützen ist ja nicht so einfach, wie wir ihier n dem Artikel "Was hilft wirklich gegen Fliegen, Mücken und Bremsen?" berichtet hatten.

Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Besitzern des verstorbenen Pferdes und allen Pferdebesitzern, die jetzt sicher einige schlaflose Nächte haben werden, bis die Untersuchungsergebnisse der (zweiten) Blutuntersuchen vorliegen. Wir hoffen bangen mit, dass es bei diesem einen traurigen Fall bleibt - ein verstorbenes Pferd ist schon eins zuviel...

Nachtrag 27.09.08: Hier nun die offizielle Pressemeldung des Kreis Mettman (Veterinäramt) dazu:

Tierseuchenfall in Haan

Pferd an ansteckender Blutarmut erkrankt

KREIS METTMANN. In einer Haaner Pferdehaltung ist ein Schimmel-Wallach an der hierzulande sehr seltenen „Infektiösen Anämie der Einhufer“ (ansteckende Blutarmut) erkrankt. Das Veterinäramt des Kreises hat den Bestand gesperrt und wird in den nächsten Tagen auch alle weiteren dort gehaltenen Pferde untersuchen.
Die ansteckende Blutarmut ist eine Viruserkrankung von Pferden und anderen Einhufern, die sich als chronisch-zehrende Krankheit mit Fieberschüben manifestiert und nach unterschiedlich langem Verlauf tödlich endet. Erkrankte Tiere scheiden das Virus mit allen Körpersekreten und –exkreten aus. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch blutsaugende Insekten, eher selten durch direkten Kontakt zwischen Einhufern. Menschen sind nicht gefährdet.

Die Inkubationszeit beträgt etwa zwei bis sechs Wochen. Betroffene Tiere müssen getötet werden, denn eine Therapie oder auch Impfung ist weder möglich noch erlaubt.

Das Veterinäramt wird ein Sperrgebiet mit einem Radius von zwei Kilometern um den betroffenen Betrieb festlegen und alle dort ansässigen Pferdehaltungen aufsuchen und den Tieren Blutproben entnehmen. Außerdem ermittelt das Veterinäramt zurzeit, welche weiteren Pferde bzw. Pferdehaltungen in den vergangenen 60 Tagen mit dem betroffenen Betrieb in Kontakt gekommen sind, damit auch dort entsprechende Blutuntersuchungen veranlasst werden können.

Alle untersuchten Tiere müssen – frühestens 21 Tage nach der ersten Untersuchung – ein weiteres Mal untersucht werden. Bis zum Vorliegen des zweiten Untersuchungsergebnisses dürfen empfängliche Tiere das Sperrgebiet nicht verlassen. Veranstaltungen mit Beteiligung von Einhufern sind innerhalb des Sperrgebietes verboten.

Die infektiöse Anämie der Einhufer ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Tiere mit unklarer Symptomatik sollten sofort dem Haustierarzt vorgestellt werden. Bei Seuchenverdacht ist das Veterinäramt zu unterrichten, Tel. 02104-991951.

Bemerkenswert ist das Auftreten der Infektiösen Anämie nicht zuletzt deshalb, weil seit über zehn Jahren in ganz NRW kein einziger Fall mehr aufgetreten ist. Vereinzelt gab es Fälle in Thüringen, Hessen und Bayern; Auslöser waren importierte Pferde aus Osteuropa und Russland. Der eigentliche Ursprung der Erkrankung liegt in Sumpfgebieten der USA, Kanada, in Teilen von Süd- und Zentralamerika, Südafrika und Nordaustralien.

Herausgeber:
Pressestelle des Kreises Mettmann