Montag, 25. Mai 2009

Doping im Pferdesport: Beerbaum schockt im Interview

In Sachen Doping im Pferdesport scheint eine regelrechte Lawine zu rollen. Jetzt gestand Vorzeige-Reiter Ludger Beerbaum in einem Interview nach dem Motto zu handeln: "Erlaubt ist, was nicht gefunden wird" und schockt damit nicht nur die FN, sondern auch viele Reitsportfans. (Hier ein ausführlicher Bericht dazu auf Stern.de)

Bleibt abzuwarten, ob dieses offene Geständnis jetzt noch weitere Reiter dazu veranlasst, das Thema offen anzusprechen. Als ehemalige Pferdepflegerin weiß ich aus Erfahrung, dass unsere Dopingvorschriften mehr als kompliziert sind. Selbst bei der Behandlung eines einfachen, oberflächlichen Kratzers, bei einer winzigen Weideverletzung muss man schon genau aufpassen, womit man die Wunde versorgt. Viele völlig harmlos scheinende Mittel, die auch von Freizeitreitern ganz selbstverständlich zur Behandlung kleiner Blessuren benutzt werden, dürfen für Turnierpferde nicht angewandt werden. So stehen beispielsweise auch gängige Wunddesinfektionsmittel wie das allseits beliebte Blauspray oder Rivanol auf der Liste der verbotenen Medikationen. Und selbst eine harmlos scheinende Wund- und Heilsalbe kann dem Turnierreiter jede Menge Ärger bescheren, wenn sie Beispielsweise Arnika enthält. Solche eingentlich unbedenklichen Kräutersälbchen hat fast jeder in seiner Hausapotheke liegen. Man benutzt sie, um die Schürfwunden seiner Kinder zu versorgen und schmiert sie dann auch mal auf den kleinen Kratzer, den sich das Pferd zugezogen hat. Alles kein Problem, solange man Freizeitreiter ist. Aber wer würde ahnen, dass ein Turnierrreiter damit schon in Dopingverdacht geraten könnte?

Es ist schon kompliziert, mit den Dopingvorschriften und den verbotenen Medikationen, das muss man zugeben. Oft so kompliziert, dass man es sich als Freizeitreiter ohne Turnierambitionen kaum vorstellen kann. Das will ich alles gar nicht abstreiten. Dennoch wird man jetzt - wo die Lawine einmal ins Rollen gekommen ist - das Gefühl nicht mehr los, dass im Reitsport doch weitaus mehr vorsätzlich gedopt wird, als bisher angenommen.

Der Skandal im Radsport war schon unschön - aber wenn die Sportler sich selbst dopen ist es wenigstens "nur" ihre Gesundheit und ihre Entscheidung. Die Pferde haben dagegen leider keine Chance selbst zu entscheiden ...